Erneuerbarer Dimethylether (rDME) entwickelt sich zu einer erneuerbaren Alternative zu Flüssiggas (LPG) und könnte den globalen Gasmarkt nachhaltig verändern. Da er sich physikalisch ähnlich verhält wie flüssiges Butan und Propan, lässt er sich als Beimischung ohne teure Infrastrukturwechsel einsetzen.
Was ist rDME?
Dimethylether (DME) ist die einfachste Form eines Ethers und liegt unter Normalbedingungen als farbloses, ungiftiges Gas vor. Bei geringem Druck verflüssigt er sich leicht. Während herkömmlicher DME meist aus fossilem Erdgas gewonnen wird, wird rDME (renewable DME) aus nachhaltigen Quellen hergestellt:
- Biomasse und Reststoffe: Gülle, Klärschlamm, landwirtschaftliche Abfälle und Holzreste
- Power-to-X (E-DME): aus abgeschiedenem CO₂ (Carbon Capture) und grünem Wasserstoff, der mit erneuerbarem Strom erzeugt wurde
Der Kohlenstoff im rDME stammt aus Biomasse oder aus abgeschiedenem CO₂ und nicht aus fossilen Lagerstätten. Aus Rest- und Abfallstoffen hergestellter rDME kann die CO₂-Emissionen gegenüber Heizöl und Diesel deutlich senken.
Die Alternative zu Flüssiggas
Der größte Vorteil von rDME liegt in seiner physikalischen Ähnlichkeit zu Flüssiggas. Das macht ihn zu einer sogenannten Drop-in-Alternative:
- Infrastruktur: rDME verhält sich unter Druck wie LPG. Als Beimischung bis 12 Massenprozent kann er in denselben Tanks gelagert, mit denselben Tankwagen transportiert und über dieselben Flaschen und Leitungen verteilt werden. Bei höheren Anteilen müssen Dichtungen, Membranen und Schläuche DME-beständig sein.
- Beimischung: Auf Antrag der World Liquid Gas Association (WLGA) hat der UN-Unterausschuss für die Beförderung gefährlicher Güter 2024 zugelassen, dass Flüssiggas der UN-Nummern 1075 und 1965 bis zu 12 Massenprozent Dimethylether enthalten darf. Die Regelung ist in die Gefahrgutvorschriften RID/ADR 2027 übernommen.
- Saubere Verbrennung: rDME verbrennt sehr sauber, nahezu ohne Ruß und Feinstaub und mit deutlich weniger Stickoxiden als fossile Brennstoffe.
Damit deckt rDME die heutigen Kernmärkte von LPG ab, etwa den Wärmemarkt im ländlichen Raum: Gewerbebetriebe und Gebäude ohne Erdgasanschluss können den CO₂-Ausstoß ihrer Heizung schrittweise senken, ohne auf Wärmepumpe oder Pelletheizung umzusteigen.
Worauf es bei der Verdampfung ankommt
Die schrittweise Dekarbonisierung des Wärmemarktes und der Industrie führt zu einem steigenden Anteil von rDME im Flüssiggas. Für Versorger bedeutet das: Bestehende Transport- und Logistikwege bleiben nutzbar. Da sich die physikalischen und chemischen Eigenschaften von rDME aber von denen reiner Propan-/Butangemische unterscheiden, müssen Verdampfungsanlagen gezielt darauf ausgelegt sein:
- Materialverträglichkeit: DME hat stark lösungsmittelähnliche Eigenschaften. Materialien, die für reines LPG ausgelegt sind, können bei höheren rDME-Anteilen vorzeitig verschleißen oder undicht werden. DME-beständige Dichtungen, Membranen und Schläuche sichern auch bei wechselnden Mischungsverhältnissen und künftig bei reinem rDME-Betrieb die Dichtheit.
- Physikalische Kennwerte: Geringere Energiedichte und abweichende Verdampfungsenthalpie verändern die Strömungs- und Regelungseigenschaften des Gasgemischs.
- Regelung: Ventile und Druckregler müssen veränderte Dichte- und Viskositätswerte ausgleichen, damit Ausgangsdruck und Brennverhalten stabil bleiben.
- Zulassungen: Die Geräte sollen für den heutigen Übergangsbetrieb und für künftige reine rDME-Anwendungen zugelassen sein.
Durch unsere langjährige Erfahrung mit Verdampfern für verschiedene Sondergase haben wir unsere Verdampfer entsprechend entwickelt: Seit 2025 bauen wir rDME-geeignete Flüssiggasverdampfer, derzeit auf gesonderte Anfrage. Künftig sollen alle für Propan ausgelegten Geräte auch für rDME geeignet sein. Die Nennleistungen unserer Geräte werden bei Sättigungsbedingungen mit rDME ebenso erreicht wie mit Propan und Butan.
Auch komplette rDME-geeignete Anlagen können wir bauen, denn wir fertigen Anlagen sogar für das noch korrosivere Ammoniak. Derzeit arbeiten wir an günstigeren Ausführungen, weil die Werkstoffe für DME nicht ganz so beständig sein müssen wie für Ammoniak.